Kolumne von Maximilian Buddenbohm

Im Planetarium

 

Szene aus DIE HIMMELSKINDER-WEIHNACHT. Wolfram Eicke liest unter der großen Kuppel
Urheberrecht: Richard Stöhr, Copyright: Richard Stöhr


Vielleicht gehören Sie auch zu den Eltern, die das Planetarium gar nicht kennen? Dann haben Sie vermutlich ein ganz falsches Bild im Kopf, von dem, was man da drinnen erleben kann. Das ist vermutlich interessanter als Sie denken, und nicht nur für Kinder, so viel gleich vorweg. Wir können aber mit der Beschreibung auch weiter vorne anfangen, ganz außen. Denn das Planetarium hat einen Special Effect für Erwachsene, den verstehen Kinder noch nicht recht, der gilt nur für uns. Wenn man an einem späten Winternachmittag aus dem Bus steigt, der in der Nähe des Planetariumturms hält, dann muss man noch ein paar Minuten durch ein zu dieser Zeit menschenleeres Stück vom Stadtpark gehen. Kahle Bäume vor fast nachtschwarzem Himmel, ein nasser Sandweg, verwehte Blätter. Oben ein bleicher Mond hinter jagenden Wolken, hinter einem wird die Stadt allmählich leiser, vor einem dieser freistehende Turm. Dunkel, mächtig. Vor dem Turm dieser breite, menschenleere Allee-Weg durch den Stadtpark, nach ein paar Metern verliert sich alles schon im Finsteren und Ungefähren des nächtlichen Parks, in den hinein kein Mensch bei Verstand um diese Uhrzeit gehen würde. Es ist eine so grandiose Kulisse für Stephen-King-Gedanken, das gibt es kein zweites Mal in Hamburg, wirklich wunderbar gruselig.
 
Planetarium Hamburg, Außenansicht
Urheberrecht: Andreas Kreutzer, Copyright: Andreas Kreutzer


Aber das verstehen Kinder natürlich noch nicht, Kinder wollen da rein, nicht draußen herumstehen und dunkelgrauen Himmel anstarren, in dem doch gar nichts los ist. Hallo, Papa? Da ist nix! Aber drinnen soll es jetzt ein Märchen geben, oder eine Geschichte oder was, jedenfalls mit Weihnachten. Oder so. Das findet im Kuppelsaal statt, der schon als Raum toll ist. Liegesessel, in der Mitte eine Projektionsanlage, die aussieht, als gehöre sie in ein Raumschiff oder in eine Verfilmung der Bücher von Jules Verne, oben drüber die riesige Kuppel, die Projektionsfläche. Tipp für den Kartenkauf: Man sieht besser, wenn man weiter hinten sitzt, also anders als in normalen Theatern oder Kinos. Aber in der allerletzten Reihe gibt es keine Liegesessel mehr, das nimmt den Kindern wiederum etwas vom Spaß - also buchen Sie am besten die vorletzte Reihe. Da sitzen Sie goldrichtig.  Ob man links oder rechts sitzt, das ist egal, die Sache findet weitgehend oben über den Köpfen im Kreis statt.
 
Szene aus DIE HIMMELSKINDER-WEIHNACHT. Wolfram Eicke liest unter der großen Kuppel
Urheberrecht: Richard Stöhr, Copyright: Richard Stöhr


Wie stellt man sich eine Aufführung im Planetarium nun vor? Das ist eine Mischung aus Theater, Film, Vortrag, Projektionsmagie, Musik, Lichteffekten, Nebel, das ist eine technisch ziemlich beeindruckende Angelegenheit.  Und auch eine schöne Angelegenheit. Es ist immer eine spannende Frage, bei all den zahllosen Kinderbespaßungsmöglichkeiten im Dezember - kann man das eigentlich auch als Erwachsener schön finden? Es ist gut und nett, wenn die Kinder Spaß haben, aber als Vater oder Mutter hat man ab und zu auch gerne etwas Vergnügen. Mir hat es im Planetarium sehr gefallen, zumal die Geschichte ganz ungewohnt zurückhaltend umgesetzt wurde, das gibt es ja heute kaum noch. Das war alles eher leise, behutsam und auch langsam, und das ist für eine Weihnachtsgeschichte auch richtig, wenn man es recht bedenkt.  Obwohl man merkt, was man mit der Veranstaltungstechnik in diesem Raum anfangen könnte, wird hier mit Understatement agiert, da ist man auch einmal dankbar. Ein Vorleser trägt ein modernes Märchen vor, dazu gibt es Bilder und Illustrationen (Julia Ginsbach) an der Decke, Musiker kommen und gehen. Die Sänger singen leise und werden sparsam begleitet, das klingt vielleicht komisch - das ist aber wirklich nett, wenn man bedenkt, wie sonst alles auf Laustärke aus ist, auf ordentlich Bass und Kawumm. Da wirkt ein Weihnachtslied in Dezenz schon wieder wie ein Wunder, und das merken die Kinder tatsächlich auch.  Also die Geschichte hat schon Schwung und die Stimmen werden auch einmal lauter, so ist es nicht, aber gegen das, was Kindern heute im Kino so zugemutet wird, ist das gar nichts. Der Vorleser und auch Autor des Stücks ist Wolfram Eicke, den Namen können Sie sich  mal merken. Der Mann ist nach meinen Erfahrungen sehr kinderkompatibel, wenn sein Name irgendwo dransteht, gehen Sie ruhig hin, der kann das.

Die Sängerin war hochschwanger, das wird man bei der Konzeption des Stückes nicht unbedingt geplant haben, aber auch das war natürlich sehr passend. Die Söhne waren ganz hingerissen vom Stück und von der Sängerin. Leider waren sie auch hingerissen von der Bestuhlung mit den tollen Kippeffekten, die sie sehr, sehr gründlich durchprobiert haben. Weswegen es bei der Premiere des Stückes “Die Himmelskinder-Weihnacht”  zwischendurch einen lauten Rumms gab und darauf etwas Gebrüll. Das war, als Sohn II sich fledermausgleich zwischen zwei Stuhlreihen gehängt hat und dabei abstürzte und auf den Kopf fiel. Kippende Sessel taugen nicht zum Dranhängen, das weiß er jetzt auch. So lernen Kinder bei Veranstaltungen, deswegen geht man ja hin.
 
Schüler in der Kuppel
Foto: Planetarium Hamburg

Und noch ein Tipp für Eltern: Anders als bei anderen Kinderveranstaltungen kann man im Planetarium nicht mal eben während der Vorstellung rausgehen. Man kommt dann nämlich nicht wieder rein. Es ist also sinnvoll, die Flüssigkeitszufuhr bei den Kindern rechtzeitig zu drosseln und sie vor dem Stück gründlich zu entwässern. Obwohl die Vorführung nur 45 Minuten dauert - es wäre doch sehr schade, nach der Hälfte zu gehen, denn dann würde man ja nicht erfahren, wie die beiden abgestürzten Engel auf dem großen Weihnachtsmarkt zurechtkommen und was der Besitzer des Riesenrades, King Rudi, der übrigens verdächtig an eine bekannte Hamburger Kiezgröße erinnert, eigentlich im Schilde führt. Und ob den beiden Engeln nun wieder einfällt, was eigentlich ihr Job ist, denn leider haben sie sich beim Sturz gegenseitig etwas die Köpfe angerummst und sind jetzt etwas ratlos, was ihre Rolle ist. Aber durch die Weihnachtslieder kommen sie nach und nach wieder drauf.
 
Planetarium Hamburg, Die Himmelskinder-Weihnacht, Teleskop
Urheberrecht: Julia Ginsbach, Copyright: Bosworth Music GmbH


Das Stück ist offiziell ab sechs Jahren. Meinem Vierjährigen hat es auch gut gefallen, das ist wohl kein Problem. Es wird allerdings zwischendurch einmal stockdunkel im Raum, wenn ein Kind sehr ängstlich ist und auch bei Filmen oft Angst hat, dann ist das eventuell unter Sechs doch noch nichts.

Als Erwachsener kann man sich wunderbar entspannen, sich etwas vorlesen lassen und dabei bequem liegen und Bilder gucken – doch, das hat was. Selbst wenn man ein Kind auf dem Bauch hat, ich habe das nach dem Absturz von Sohn II ziemlich ausführlich getestet.